Wie beeinflusst der Kita-Ausbau für unter Dreijährige die Arbeitsteilung zwischen Vätern und Müttern in Familien? Im Mittelpunkt steht die Erwerbs- und Sorgearbeit der Väter.
Es wurden umfangreiche familienpolitische Maßnahmen umgesetzt. Besonders bedeutsam ist die Einführung des Elterngeldes und der Kita-Ausbau für Kinder unter drei Jahren. Hat dies die Erwerbs- und Sorgearbeit der Väter verändert? Nehmen sie aufgrund der gestiegenen Verfügbarkeit von Kita-Plätzen häufiger Elternzeit? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Hauptbeitrag in der neuen Ausgabe
Auf Basis von Daten der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) und der Kinder- und Jugendhilfestatistik des Statistischen Bundesamtes, wurden gezielt Fragen bearbeitet.
Die Befunde zeigen, dass zusätzliche Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren dazu führen, dass Väter häufiger Elternzeit nehmen, meist wenn das Kind zwischen zwölf und 14 Monaten alt ist. Dabei konzentriert sich der Anstieg vor allem auf die zwei „Partnermonate“. Im Anschluss reduzieren Väter ihren Erwerbsumfang leicht und arbeiten häufiger in langer Teilzeit. Mütter verkürzen infolge des Kita-Ausbaus ihre Elternzeit und kehren früher in den Arbeitsmarkt zurück. Zudem erhöhen sie ihren Erwerbsumfang. Allerdings sind die Effekte des Kita-Ausbaus nicht für alle Familien in gleichem Maße ausgeprägt. Eine Rolle spielt hier das Bildungsniveau: Effekte auf die Erwerbstätigkeit und Elternzeitnahme sind stärker in Familien, in denen die Mutter kein Abitur hat. Dies spiegelt möglicherweise wider, dass Familien mit niedrigerem Bildungsniveau stärker von Betreuungsengpässen betroffen sind und entsprechend mehr vom Kita-Ausbau profitieren. Familien mit Migrationshintergrund zeigen dagegen deutlich schwächere Reaktionen – sowohl bei der Kita-Nutzung als auch bei der Anpassung der elterlichen Erwerbstätigkeit.
Aufteilung der Sorgearbeit unverändert
Trotz der Effekte des Kita-Ausbaus auf das Erwerbsverhalten von Vätern und Müttern hat sich an der wahrgenommenen Aufteilung der Sorgearbeit innerhalb der Familie kaum etwas geändert. So berichtet in zwei Dritteln der Haushalte die Mutter, das Kind hauptsächlich an Werktagen zu betreuen – unabhängig von der Kita-Verfügbarkeit. Dieses Ergebnis passt zu Befunden aus anderen Studien, die zeigen, dass Mütter bei Erwerbstätigkeit eher Zeit für Haushaltstätigkeiten reduzieren, statt die Zeit mit ihren Kindern zu verringern. Insgesamt deuten die Befunde darauf hin, dass Veränderungen gesellschaftlicher Rollenbilder Zeit benötigen und der Ausbau der Kindertagesbetreuung mit anderen familienpolitischen Maßnahmen zusammenwirken muss, um die Verantwortung für Kinderbetreuung innerhalb von Haushalten substanziell zu verschieben.
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• BiB.Aktuell 6/2026 (pdf, 873KB)
Quelle: https://www.bib.bund.de/DE/Aktuelles/2026/2026-07-15-BiB-Aktuell-Kita-Ausbau-und-Arbeitsteilung.html